Während auf der großen Bühne des Brinkhoff’s Brunnenfestivals das massentaugliche Programm lief, gehörte der Pfarrer-Bremer-Platz am 10. und 11. Juli wieder der alternativen Musikszene. Die Alternative Stage brachte zwei Tage lang Rock, Punk, Hardcore und Metal mitten in die Lüner Innenstadt – kostenlos, unkompliziert und mit einer Mischung aus regionalen Bands und etablierten Namen.
Grundsätzlich bot das Festival erneut eine schöne Gelegenheit, verschiedene Stilrichtungen kennenzulernen und Bands zu sehen, die bei klassischen Stadtfesten häufig keinen Platz finden. Die Atmosphäre war entspannt und familiär. Viele der anwesenden Besucher kannten sich untereinander oder waren selbst Teil der regionalen Musikszene. Dadurch wirkte die Alternative Stage weniger wie eine gewöhnliche Nebenbühne und eher wie ein kleines eigenständiges Szenefestival.
Am Freitag gehörten Snakebite zu den interessantesten Bands für Freunde des klassischen Heavy Metal. Die Ruhrpott-Truppe setzte auf traditionelle Riffs, große Melodien und reichlich Achtzigerjahre-Flair. Musikalisch präsentierte sich die Band sicher und eingespielt. Auch wenn sich vor der Bühne noch etwas mehr Bewegung und ein größeres Publikum angeboten hätten, ließen sich die Musiker davon nicht beeindrucken und zogen ihre Show engagiert durch. Der Samstag begann mit Merge All Meridians, die bereits als erste Band richtig stark abrissen. Die Musiker legten vom ersten Moment an ordentlich Energie in ihren Auftritt und zeigten, dass sie keinesfalls nur als musikalisches Aufwärmprogramm verstanden werden wollten. Umso bedauerlicher war es, dass zu dieser frühen Uhrzeit noch nicht besonders viele Zuschauer den Weg vor die Bühne gefunden hatten. Diejenigen, die bereits anwesend waren, bekamen jedoch einen kraftvollen und überzeugenden Start in den zweiten Festivaltag geboten.
Mit Lyra’s Legacy stand anschließend melodischer Power Metal auf dem Spielplan. Die Band zeigte sich musikalisch sauber und gut aufeinander abgestimmt. Besonders die melodischen Gitarren und die eingängigen Refrains sorgten dafür, dass der Auftritt auch bei Besuchern funktionierte, die die Band zuvor noch nicht kannten. An diesem Abend feierte zudem der neue Schlagzeuger Hartmut Stoof seinen ersten Auftritt mit der Band. Das Zusammenspiel wirkte bereits erstaunlich geschlossen und verlieh den Songs ordentlich Druck.
Den vielleicht größten Abriss des Samstags lieferten jedoch Grave Intentions. Besonders die Frontfrau zog mit ihrer enormen Präsenz sofort die Aufmerksamkeit auf sich. Sie ging auf der Bühne richtig gut ab, hatte das Publikum schnell auf ihrer Seite und überzeugte mit einer kraftvollen Stimme, die sowohl in den klareren Passagen als auch bei den tiefen Growls beeindruckte.
Kunterbunte gemischte Diashow: 😉
Was umgangssprachlich gerne einfach als „Grunzen“ bezeichnet wird, setzte sie kontrolliert, druckvoll und mit erstaunlicher Wucht ein. Dabei wirkte nichts aufgesetzt oder gezwungen. Sie hatte ihre Stimme jederzeit unter Kontrolle und schaffte es gleichzeitig, die Energie der Musik direkt auf die Menge zu übertragen. Grave Intentions wurden damit zum persönlichen Höhepunkt des Samstags und zu einer Band, die man nach diesem Auftritt definitiv weiterhin im Auge behalten sollte.
Einen weiteren deutlichen stilistischen Einschlag lieferten Taskforce Toxicator. Der Thrash Metal der Münsteraner wirkte live direkt, aggressiv und angenehm ungeschliffen. Schnelle Riffs, treibendes Schlagzeug und eine energiegeladene Bühnenpräsenz sorgten dafür, dass vor der Bühne erneut deutlich mehr Bewegung entstand. Die Band vermittelte nicht den Eindruck, lediglich ihr Programm herunterzuspielen, sondern hatte sichtbar Spaß an ihrem Auftritt.
Gerade Taskforce Toxicator zeigten, wie gut Thrash Metal auf einer solchen Open-Air-Bühne funktionieren kann. Der Sound war druckvoll, die Songs kamen ohne unnötige Umwege auf den Punkt und die Band schaffte es, auch Besucher mitzunehmen, die ursprünglich vielleicht wegen einer anderen Stilrichtung gekommen waren. Damit gehörte auch dieser Auftritt zu den starken Momenten des Wochenendes.
Allgemein hätte die Alternative Stage allerdings an einigen Stellen mehr Zuschauer verdient gehabt. Vor der Bühne war zwar immer etwas los, wirklich voll wurde es jedoch nicht durchgehend. Besonders die frühen Bands wie Merge All Meridians hätten für ihre engagierten Auftritte eine deutlich größere Kulisse verdient gehabt.
Gerade bei einer Veranstaltung mit freiem Eintritt und einem derart vielseitigen Programm wäre eine größere Unterstützung aus der regionalen Rock- und Metalszene wünschenswert gewesen. Solche Bühnen leben schließlich nicht nur von engagierten Veranstaltern und Bands, sondern ebenso von den Menschen, die vorbeikommen, dort ihre Getränke kaufen und damit zeigen, dass ein alternatives Programm innerhalb eines Stadtfestes weiterhin gebraucht wird.
Trotzdem bleibt ein positives Fazit. Die Alternative Stage bot auch 2026 wieder ehrliche Livemusik ohne Hochglanzfassade. Die kurzen Wege, das bunt gemischte Publikum und die Nähe zwischen Musikern und Besuchern machten den besonderen Charakter der Veranstaltung aus.
Snakebite lieferten klassischen Heavy Metal, Merge All Meridians eröffneten den Samstag mit ordentlich Energie und Lyra’s Legacy sorgten für die melodischen Momente. Grave Intentions hinterließen mit ihrer starken Frontfrau den vielleicht nachhaltigsten Eindruck, während Taskforce Toxicator mit ihrem energiegeladenen Thrash Metal noch einmal ein deutliches Ausrufezeichen setzten.
Die Alternative Stage ist damit weit mehr als nur das Gegenprogramm zur großen Brunnenfestival-Bühne. Sie ist ein wichtiger Treffpunkt für die regionale Szene – und genau solche Veranstaltungen sollten genutzt und unterstützt werden, damit es auch in den kommenden Jahren in der Lüner Innenstadt laut bleiben kann.
Danke @Thor sten für die Bilder. Text Thor sten + Metal Im Pott.































