Am 11. Juli 2026 verwandelten die Böhsen Onkelz die Veltins-Arena auf Schalke in einen riesigen Hexenkessel. Zehntausende Fans waren angereist, um gemeinsam zu feiern, alte Hymnen mitzusingen und für einige Stunden vollständig in die Welt der Onkelz einzutauchen.

Bevor der Hauptact die Bühne betrat, eröffneten Pro-Pain den Abend. Die New Yorker lieferten einen soliden Auftritt ab und machten ihre Sache musikalisch durchaus ordentlich. Wirklich gezündet hat ihr Hardcore-Metal beim Publikum allerdings nur bedingt. Dafür ist das Onkelz-Publikum schlicht zu bunt gemischt: Neben Metal- und Hardcore-Fans stehen dort Rockhörer, Nostalgiker und Menschen, die vor allem wegen der großen Onkelz-Hymnen gekommen sind. Pro-Pain waren daher ganz nett anzusehen, wirkten als Vorband für eine Onkelz-Stadionshow aber nicht unbedingt wie die passendste Wahl.
Bei großen Stadionshows ist guter Klang keineswegs selbstverständlich. Gerade die Veltins-Arena hat aufgrund ihrer Größe und der halligen Akustik nicht unbedingt den besten Ruf. Für diese riesige „Turnhalle“ war der Sound an diesem Abend allerdings überraschend gut. Die Instrumente kamen überwiegend druckvoll und klar aus den Boxen, und auch Kevin Russells Stimme war gut verständlich.
Spätestens mit dem Opener „Lieber stehend sterben“ war die Arena vollständig auf Betriebstemperatur. Danach folgte ein nahezu lückenloses Best-of-Programm aus verschiedenen Phasen der Bandgeschichte. Mit „Heilige Lieder“, „Finde die Wahrheit“, „Gehasst, verdammt, vergöttert“ und „Buch der Erinnerung“ wurden direkt zu Beginn mehrere Klassiker abgefeuert.
Auch im weiteren Verlauf blieb kaum Zeit zum Durchatmen. „Leere Worte“, „Onkelz 2000“, „So sind wir“, „Terpentin“ und „Stunde des Siegers“ sorgten für lautstarke Chöre auf den Rängen und im Innenraum. Die Stimmung war ausgelassen, emotional und teilweise regelrecht bombastisch. Bei vielen Liedern musste die Band selbst kaum noch singen, da die Texte von der gesamten Arena übernommen wurden.
Mit „Der Platz neben mir – Part I + II“ gab es zudem einen der emotionalsten Momente des Abends. Bei „Danke für nichts“, „Kirche“ und „Nichts ist für die Ewigkeit“ wurde es anschließend wieder deutlich wuchtiger.

Überraschungen oder selten gespielte Deep Cuts suchte man in der Setlist allerdings vergeblich. Die Onkelz präsentierten ein typisches Best-of-Programm, das vor allem auf die großen Hits und sicheren Mitsingnummern setzte. Für gelegentliche Konzertbesucher funktionierte diese Auswahl hervorragend. Langjährige Fans hätten sich dagegen sicherlich den einen oder anderen unerwarteten Song gewünscht.
Nach dem regulären Set kehrte die Band mit dem „Intro Oratorium“ und „Wir ham’ noch lange nicht genug“ zurück. Spätestens bei „Mexico“ gab es in der Arena endgültig kein Halten mehr. Mit „Auf gute Freunde“ und „Erinnerungen“ endete der Abend schließlich so, wie ein großes Onkelz-Konzert enden muss: mit tausenden erhobenen Armen, heiseren Stimmen und reichlich Gemeinschaftsgefühl.
Weniger überzeugend war erneut die Organisation rund um das Konzert. An zahlreichen Ständen und Eingängen bildeten sich lange Warteschlangen. Teilweise mussten die Besucher sehr viel Geduld mitbringen, um Getränke oder Essen zu bekommen. Besonders ärgerlich: An einigen Verkaufsstellen war zeitweise sogar das Bier leer. Bei einer Veranstaltung dieser Größenordnung und den entsprechenden Preisen sollte die Versorgung der Besucher deutlich besser funktionieren.
Musikalisch und atmosphärisch war der Abend dennoch ein voller Erfolg. Pro-Pain lieferten einen ordentlichen, wenn auch nicht ganz passenden Auftakt, bevor die Böhsen Onkelz mit einer gewaltigen Best-of-Show, überraschend gutem Arenasound und einer beeindruckenden Stimmung überzeugten.
Setlist
- Lieber stehend sterben
- Heilige Lieder
- Finde die Wahrheit
- Gehasst, verdammt, vergöttert
- Buch der Erinnerung
- Leere Worte
- Onkelz 2000
- So sind wir
- Wenn Du wirklich willst
- Terpentin
- Stunde des Siegers
- Ich bin in Dir – Version 2001
- Ohne mich
- H
- Nichts ist so hart wie das Leben
- Keine Amnestie für MTV
- Das Signum des Verrats
- Der Platz neben mir – Part I + II
- Danke für nichts
- Kirche
- Nichts ist für die Ewigkeit
Zugabe
- Intro Oratorium
- Wir ham’ noch lange nicht genug
- Mexico
- Auf gute Freunde
- Erinnerungen
Fazit: Pro-Pain waren musikalisch solide, passten jedoch nur bedingt zum breit gefächerten Onkelz-Publikum. Die Onkelz selbst überzeugten mit bombastischer Stimmung, überraschend gutem Arenasound und einer Setlist voller großer Hits. Lediglich die schlechte Organisation und die langen Wartezeiten trübten den ansonsten gelungenen Abend.